50 Jahre Feuerwache
25 Jahre Alte Feuerwache - Der Anlass lädt ein zur Retrospektive, mich aber bewegt vielmehr die Frage, ob ein Institut wie die Alte Feuerwache Mannheim auch ihren 50. und 100. Geburtstag wird feiern können.
Die Frage beantwortet sich auf mehreren Ebenen, was eine verlässliche Prognose schwierig erscheinen lässt. Bei der Verteilung öffentlicher Mittel sind diese Einrichtungen trotz ihrer hohen Effektivität und ihres großen Erfolges von Anbeginn an nie als vollwertige Partner betrachtet worden; die Anerkennung als millionenschwere Hochkultur bleibt ihnen konsequent und vor allem ohne künstlerische Kriterien verwährt. Die Durchlässigkeit zwischen Hoch- und Basiskultur, die bei den Künstlern schon lange gilt, und die inzwischen auch das klassische Feuilleton erreicht hat, verweigern die Kämmerer standhaft. Und da die Qualität der Kunst immer auch an dem gemessen wird, was sie kostet, erfährt unsere vergleichsweise sehr preiswerte Kunst oft auch eine geringere Wertschätzung als das, was Millionen kostet. Was viel kostet, muss gut sein, aber kann denn gut sein, was so wenig kostet?
Dieser Bereich macht mir Sorgen, aber die anderen Ebenen, auf denen sich unsere Existenzfrage beantwortet, stimmen mich sehr optimistisch, denn wir sind das Neue und die Zukunft. Häuser wie die Feuerwache sind die Trüffelschweine der aktuellen Musik, nicht Repertoire, nicht Inszenierung, nicht Redundanz, sondern das immer wieder Neue zeichnet unser Angebot aus. Und wir sind Teil eines expandierenden Marktes; vor 25 Jahren beherrschten Autodidakten die Szene, weil das, was sie machten, so neu war, dass es nicht gelehrt werden konnte.
Heute studiert man Kulturmanagement, lernt Veranstaltungskaufmann und - technikerin, ein sehr erfolgreiches (weil kleinteiliges und hochprofessionelles) Geschäftsfeld aus Labels, Produzenten, Vertrieben, Agenturen, Promotern, Verleihern, Technikern hat sich entwickelt, in dessen Zentrum das Konzert steht, und das findet bei uns statt. Da sich die Kunst, um die sich dieser Markt gebildet hat, ständig fortentwickelt, haben wir auch keinerlei strukturelle Nachfrageprobleme, die nächste Musiker- und Zuschauergeneration steht immer schon auf der Matte.
Um uns dem Nachwuchs, auch dem aus der Stadt und der Region, noch besser widmen zu können, haben wir uns entschlossen, uns auf die darstellende Kunst zu konzentrieren und dieser ein zusätzliches Forum zu schaffen. Der Kunstraum Alte Feuerwache wird in eine Studiobühne umgebaut, ab Frühjahr 2007 gibt es dort das zu entdecken, für das die Halle der Feuerwache bisher einfach noch zu groß war.
Sowohl das Konkrete, wie diese Umwidmung, als auch die Entwicklungstendenz der Branche, in der Einrichtungen wie die Feuerwache eine wichtige Position einnehmen, lassen mich voller Zuversicht in die Zukunft blicken. Ihren 50sten Geburtstag feiert die Feuerwache im Jahr 2031, bis dahin können wir uns schon mal vorstellen, wie die aktuelle Musik dann klingen wird.
Viel Spaß,
Egbert Rühl
(Geschaftsführer Alte Feuerwache Mannheim)


