ENJOY JAZZ: Bertolt Brecht meets Nazim Hikmet
Einlass 19.00 Uhr / Beginn 20.00 Uhr
Sema Moritz (voc) feat. Evrim Demirel (p) und Çağlayan Çetin (vc)
Zwei Dichter des 20. Jahrhunderts, die zu gleicher Zeit, in zwei verschiedenen Ländern ähnliche Schicksale geteilt haben, Nazım Hikmet und Bertolt Brecht.
Beide haben mit ihren Gedanken, mit ihren Federn die Kunst unseres Zeitalters wesentlich geprägt. Beide sind Zeugen des Elends des 20. Jahrhunderts geworden, ihre Werke wurden verboten, ihre Bücher verbrannt, beide aus ihrer Heimat verbannt. Brecht’s Schaffen bezog sich keineswegs nur auf eine lokal deutsche Problematik sondern ist universell auf alle Gesellschaften übertragbar. Und wenn Nazım Hikmet in einem seiner Gedichte sagt „Meine Brüder / sind meine Haare auch blond / bin ich dennoch Asiat / sind meine Augen auch blau / bin ich doch Afrikaner“, so möchte er seinen Schmerz und seine Sehnsucht mit der gesamten Menschheit teilen.
Beiden Dichtern wurde ein Leben in Freiheit in ihrer Heimat nicht gegönnt, beide mussten in ein gezwungenes Exil auswandern. Während Brecht in einem Gedicht seinen Aufenthalt im Exil mit den Worten “Schlag keinen Nagel an die Wand / Wirf den Rock auf den Stuhl / Die Nachricht, die dich heimruft / Ist in bekannter Sprache” ausdrückt, schreibt Nazım am Strand von Varna beim Anblick eines Schiffes Richtung Heimat folgende Zeilen:“Ein Schiff zieht vorbei an Varna / Ein Schiff Richtung Bosporus / Nazım streichelt sanft das Schiff / Seine Hände verbrennen”
Sema, geboren in Ankara, kam nach ihrem Studienabschluss nach Deutschland, wo sie mit anderen türkischen Migrantinnen die Gruppe „Yabanel“ gründete. Sie trat als Solistin in der Berliner Gruppe „Kreuzberger Freunde“ unter der Leitung des Komponisten Tahsin İncirci auf und sang auf Festivals weltweit, unter anderem die Lieder des türkischen Dichters und Dramatikers Nazım Hikmet. 1987 gründete sie ihre eigene Gruppe „Sema & Taksim“ mit der sie auch „Das Epos von Scheich Bedrettin“ von Nazım Hikmet zusammen mit Tuncel Kurtiz interpretiert.
An ihrem dreißigsten Geburtstag, der auf das Todesdatum von Bertolt Brecht fällt, besucht sie dessen Grab und fühlt sich durch diese Übereinstimmung tief verbunden. Sie beginnt sich intensiv mit Brecht zu beschäftigen und findet nach intensiver Recherche zu ihrer ganz eigenen Interpretation der Brecht-Songs, die neben den Liedern von Nazım Hikmet das Hauptprogramm ihres jetzigen Projektes geworden sind. Begleitet wird Sema bei ihrer individuellen Interpretation der vertonten Gedichte von Nazım und Brecht von Klavier und Cello.
Sema Moritz: voc; Evrim Demirel: p; Çağlayan Çetin: vc
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